Schwerin0805.11.2013 – 08:15Uhr – wozu seit Wochen und Monaten geplant, diskutiert und mobilisiert wurde, findet nun endlich statt: Die MV-weite Bildungsdemo! Eine große Menschenmenge hat sich am Greifswalder ZOB versammelt und harrt darauf, endlich die Busse zu satteln und nach Schwerin fahren zu können. Der Stupa-Präsident erzählt irgendwas, ein paar Leute in den ersten Reihen haben es verstanden und heben die Hände – das war also die Vollversammlung des Wintersemesters 2013.

Nun kommt der wichtige Teil: Die Fahrt geht los!

21 Busse hat der AStA organisiert, immerhin 19 davon werden gefüllt, das macht an die 900 Menschen. Aus Rostock wird ein Zug nach Schwerin fahren, mit einer ähnlichen Menge. Auf der Fahrt werden die letzten Infos bekannt gegeben. Die Petition „Bildung braucht…“ geht wieder einmal um, einen Tag zuvor hat sie die Grenze von 10000 benötigten Unterschriften erhalten. Das Studentenwerk hat Lunchpakete und Kaffee bereitgestellt – eine Luxusdemo.

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Am Ende brannte nur die Luft von den Redebeiträgen und Trommelrhythmen.

In Schwerin angekommen, haben die meisten Greifswalder Teilnehmenden den eigentlichen Demonstrationszug schon verpasst, schließen sich aber der Kundgebung vor der Staatskanzlei an. Die Banner sind vielfältig, bunt und oftmals witzig-ironisch. Unser eigenes Transpi zeigt das brennende Schweriner Schloss mit dem Reim: Bildung verpennt? Schwerin brennt! Diese Eskalation tritt dann zwar nicht ein, aber die bis zu 2500 Menschen, die sich nun versammelt haben, strahlen eine Zuversicht und Stärke aus, die später den Bildungsminister selbst zu einigen Worten drängen wird.

Das Schulamt hat allen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme untersagt, die Demo bleibt also auf Hochschulen begrenzt. Die Schulpflicht wurde gegen die Versammlungsfreiheit ins Feld geführt, offenbar hat man auf höheren Ebenen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Demo so klein wie möglich zu halten.

Die folgenden Stunden wird getrommelt, geredet, gesungen und weiter geredet. Und gegessen und getanzt – es herrscht eine ausgelassene Stimmung, die über den Ernst der Lage jedoch nicht hinwegtäuscht, wie das konzentrSchwerin06ierte Zuhören und die Zustimmung der Leute zu den Redebeiträgen immer wieder zeigt. Studierendenvertretende aus diversen Teilen des Landes berichten über die konkreten Probleme an ihren Unis, machen auf die bereits vorhandenen Missstände und drohenden Gefahren aufmerksam. Überfüllte Hörsäle, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern, das Bologna-System, sie alle kriegen ordentlich ihr Fett weg.

 

Schließlich spricht unser Vertreter Martin Grimm und ordnet die Probleme in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge des Kapitalismus ein.  Er verweist auch auf die Probleme der Lernenden an den Schulen: Selektion, Föderalismus, Unterfinanzierung. Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut! skandiert die Menge als Antwort. Auch Vertreter von Jusos, Grünen und einige Landtagsabgeordnete bekunden ihre Zustimmung zur Demo und bekräftigen ihre Solidarität mit den Studierenden.

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Den letzten Redebeitrag hielt Hikmat Al-Sabty, hochschulpolitischer Sprecher der Linksfraktion.

Schließlich tritt der Bildungsminister auf und formuliert einige Lippenbekenntnisse. Natürlich sorge man sich um die Lage, aber er könne wenig tun. Später wird er auf einer Pressekonferenz erneut bekannt geben, 17Millionen zusätzlich locker machen zu wollen für die Hochschulen. Derzeit beträgt das Defizit ca. 40Millionen. Als letzter Redner spricht Hikmat Al-Sabty von der Linksfraktion und bedankt sich bei den Demonstrierenden und erklärt, dass man auf Oppositionsseite ihre Probleme gehört habe. Zum Abschluss spielt die Band Ira Atari, dann löst sich die Menge auf und fährt nach Hause. Der Erfolg bleibt ungewiss, doch heute darf als Teilsieg gesehen werden, so viele Studierende aus allen Teilen des Landes kurz nach Semesterbeginn auf die Straße gebracht zu haben. Ein Zeichen, dass nicht ignoriert werden konnte!

Hier noch einige Impressionen:

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