Besser spät als nie: Der Mai ist zwar nun seit gut einem halben Monat vergangen, dennoch wollen wir euch einen Rückblick auf den bewegten Mai 2014 aus unserer Sicht geben. Viele Ereignisse und Termine haben uns in Anspruch genommen, sodass uns währenddessen die Zeit abhanden kam, aktuell passende Artikel online zu stellen, somit an dieser Stelle ein kleiner Rückblick:

 

30.April

Ok, zugegeben, dass ist nun wirklich lange her und nicht mal im Mai, aber dennoch:

Mittwoch am 30. April besuchte der Wirtschaftsminister Harry Glawe das im Bau befindliche, technische Rathaus. Was er nicht wusste war, dass sich ca. zur selben Zeit rund 20 Studierende vor eben diesem Rathaus eingefunden haben um flashmobartig auf die Wohnungs-und Mietsituation in Greifswald aufmerksam zu machen. Nach dem eines unserer Ortsgruppen -Mitglieder eine Spontandemo anmeldete, begannen auch gleich Mitglieder der DGB-Hochschulgruppe Wurfzelte aufzustellen, die mahnend Wohnalternativen darstellen, falls es in Greifswald so weiter gehen würde wie bisher. Neben uns und der DGB-Hochschulgruppe waren auch junge Piraten mit Lastfahrrad und Jusos anwesend. Alle Protestierenden waren natürlich mit Transparenten, Fahnen und Schildern ausgerüstet. Die Aktion schaffte es auch in die OZ, was wohl daran lag, dass das Megaphon des Flashmobs lautstark auf die Probleme aufmerksam machte und dem Minister ein Fernsehinterview im Freien gehörig verhagelte. Danach zog der Mob vor die Alte Mensa um dort die Menschen mit Redebeiträgen zu erreichen.

So endete ein kurzer, aber dennoch erfolgreicher Flashmob, der die Mittagspause am Markt wohl etwas aus der Routine gebracht hat.

 

 1.Mai „Laut gegen Rechts“

Erster Mai-Immer dabei! Am internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse 2014 gab es zwei politische Anlaufpunkte in MV: In Rostock Nazis blockieren, oder in Greifwald am Maifest beim Museumshafen unter dem Motto „Laut gegen Rechts“ teilnehmen.

In Greifswald gestaltete ein Jugendbündnis aus Gewerkschaftsjugend, Linksjugend[‘SDS], Jusos und jungen Piraten mit Unterstützung des AStAs den Nachmittagsteil der gewerkschaftlich organisierten Feier am Hafen gestalten, um gezielt für Jugendliche ein Programm aus Musik, Workshops und politischer Information darzubieten. Leider kamen nur wenige junge Menschen. Workshops wurden eher selten besucht, die Bands fanden anfangs leider nur wenig Zuspruch. Eine antikapitalistische oder revolutionäre Stimmung wollte nicht so recht aufkommen (vermutlich, weil viele junge Menschen sich zu dem Zeitpunkt in HRO befanden, um sich entschlossen den Nazis in den Weg zu stellen). Dennoch kann man aus dem nicht ganz so gelungenen Versuch eine Lehre ziehen, um nächstes Jahr einen besseres und attraktiveres Angebot für Jugendliche am ersten Mai zu organisieren.

 

07. Mai „Rote geben Rotes“

Diesmal im Haus der Begegnung : Im Rahmen unserer Aktionsreihe „Rote geben Rotes“, (Bei der unsere Mitglieder im Uniklinikum Blut spenden gehen und den Erlös für den guten Zweck spenden), übergaben wir gemeinsam mit einer Parteigenossineine Spende in Höhe von 150 Euro (50€ waren der Anteil unserer OG, 100€ die der Partei) an das Behindertenforum Greifswald e.V.. Der Verein setzt sich seit 1990 für behinderte Menschen und deren Angehörige ein und unterstützt sie und ihre Angehörigen u.a. bei der Antragstellung und vielem mehr.

 

8.Mai – „Demmin Nazifrei“

 

Bereits zum 8. Mal versuchte die Neonaziszene Mecklenburg-Vorpommerns ihren Marsch durch Demmin zu zelebrieren. Während der Großteil der Bevölkerung an diesem Tag der Befreiung Deutschlands vom Hitler-Regime vor 69 Jahren gedenkt, betreibt eine Minderheit puren Geschichtsrevisionismus, in dem ein deutscher Opfermythos entworfen wird, um die Schuld der Deutschen zu relativieren. Daher beteiligten auch wir uns an den Gegenprotesten und bildeten Blockaden, damit die Neonazis an ihrem Aufmarsch gehindert werden konnten. Auch wenn sich so viele Menschen wie noch nie an den unterschiedlichen Protestformen beteiligten, konnten ca. 250 Neonazis ihre Demonstration abhalten. Dies lag vor allem am harten Eingreifen der Polizei. Neben Wasserwerfern, Tränengas und gewalttätigen Räumungen von Blockaden, gipfelte es darin, dass ein junger Mann von Polizisten bewusstlos geschlagen wurde. Wir verurteilen hiermit das Auftreten und Verhalten der Polizei und zeigen uns solidarisch mit allen, die an diesem Tag Opfer von Gewalt und Repression wurden. Wir können nur hoffen, dass der Fall kritisch aufgearbeitet wird. Denn trotz der Forderung der Linksfraktion im Landtag nach einer Stellungnahme des Innenministers Lorenz Caffier (CDU) zum Vorgehen der Polizei gegen die Gegendemonstranten am 8.Mai in Demmin wartet man heute noch auf eine Reaktion in diese Richtung.

 

16.Mai – Einundachtzig Jahre Bücherverbennung- Lesung in der Stadt

 

Am 16. Mai ärgerten wir nicht nur Angela Merkel, sondern es fand, organisiert vom Verein Bücherfreunde e.V., der Greifswalder Stadtbibliothek und der Landtagsabgeordneten Mignon Schwenke, eine Lesung zum Gedenken an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten vor 81 Jahren statt. Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Greifswald trugen hierzu jeweils Texte von damals verbotenen AutorInnen vor. Unter den Vortragenden waren auch zwei Mitglieder unserer Ortsgruppe: Martin Grimm und Daniel Seiffert. Die Erinnerung an den barbarischen Akt der Bücherverbrennung ist auch weiterhin wichtig, denn „wo Bücher brennen, brennen auch bald Menschen“ – damals wie heute.

 

20.Mai – Bildungsstreik „Greifswald greift nach Bildung“

 

Am 20.05 haben sich an die 1000 Schüler*innen und Student*innen versammelt, um gemeinsam gegen die momentane Unterfinanzierung unserer Universität zu kämpfen. Dieses Datum wurde bewusst gewählt, denn Greifswald erhielt hohen Besuch: Die Bildungsministerin Wanka, Ministerpräsident Sellering und auch EU-Energiekommissar Oettinger. Man wollte ungestört den Startschuss für das Kernfusionsprojekt Wendelstein 7X geben. Aber nicht mit uns! Gegen 11 Uhr traf die Demogemeinde auf dem Gelände des IPK ein und die Ein- und Ausfahrt des Instituts füllte sich mit Menschen. Die Demostrant*innen, darunter auch die Linksjugend [´SDS], zeigten mit Sprechchören, Plakaten, Fahnen und Bannern ihren Unmut. Es wurden mehrere Reden gehalten. Auch Mignon Schwenke, Landtagsabgeordnete der Linken, hielt eine Ansprache. Sie machte auf die Notlage der Universität aufmerksam – die Bildungslücke in Millionenhöhe. Außerdem sprach sie sich gegen die Stellenstreichungen bei Dozent*innen und Mitarbeiter*innen aus, sowie gegen den möglichen Wegfall ganzer Institute. Nachdem die Abreise von mehreren Gästen durch Demonstrant*innen mit einer friedlichen Sitzblockade verzögert wurde, kamen die Bildungsministerin und der Ministerpräsident zu einem Gespräch mit der Menschenmenge. Die Aussagen waren für alle Anwesenden enttäuschend und zeigten die Kurzsichtigkeit der Politiker*innen. Wenn man ihren Worten Glauben schenken würde, müsste man annehmen, dass die Universität bestens versorgt ist. Das trug nicht zur Beruhigung der Demonstrierenden bei. Nach zahlreichen Aufforderungen durch die Demoleitung, die Polizei und der Präsidentin der Universität wurde der Weg freigegeben und auch die letzten Gäste konnten die Heimreise antreten. Das Fazit des Tages? Die Politik zeigte sich wieder blind. Sie haben nicht begriffen, wie wichtig die Lehre ist. Unsere Antwort kann jetzt nur im fortdauernden Protest liegen.

 

Last but not least: Europa- und Kommunalwahl

Kandidaten Bürgerschaft 2014

Mit dem internationalen Kampftag der Arbeiter_innenklasse startete Die Linke und mit ihr auch fünf unserer Genossen (Andre Berndt, Daniel Seiffert, Björn Verwendel, Philipp Schönherr und Martin Grimm), die auf ihren Kommunalwahllisten kandidierten, in den Wahlkampf. Nach über drei Wochen voller Anstrengungen, indem wir in und um Greifswald plakatierten, Flyer verteilten, an Wahlkampfständen den direkten Kontakt zu den Menschen suchten, sowie einem Interview im webMoritz, trafen sich alle Wahlkämpfer_innen und Kandidat_innen am Abend des 25. Mai um im Sofa den Ergebnissen für Stadt, Kreis und Europa voller Anspannung entgegenzufiebern. Gereicht hat es zwar am Ende für keinen unserer Kandidaten, um in die Bürgerschaft einzuziehen, das wird aber niemanden davon abhalten, doch in diversen Ausschüssen zu wirken und in der Stadt aktiv zu werden wie an so vielen anderen Tagen dieses ereignisreichen Monats.