Am vergangenen Wochenende fand erneut das „Kinderfest“ der NPD in Stralsund statt – eine traurige Tradition.
Mit Kinderfesten, Sonnenwendefeiern und ähnlichem Schmarn versucht die NPD gesellschaftliche Akzeptanz für ihre braune Propaganda zu finden. Leider nehmen Bürger_Innen dieses Angebot wahr, da die Hansestadt Stralsund unwillens ist, selbst ein alternatives Kinderfest zu organisieren.
Im Folgenden findest du zwei Stellungnahmen zum „Kinderfest“ der NPD:

Kinderfest unter Nazi-Flaggen
Es fand schon wieder statt, schon zum dreizehnten Mal. Das sogenannte „Kinderfest“ der Neonazitruppe NPD. Das in einem der schönsten Stadtparks Stralsund, mit Genehmigung der Stadtverwaltung. Ordner der NPD patrouillieren bereits seit Freitag durch die Brunnenaue, sie beobachten Eltern die abseits auf dem nahen Spielplatz mit ihren Kindern spielten, es könnte ja ein Linker drunter sein.

Die NPD wirbt um Sympathie bei den ganz Kleinen. Mit diesem Fest versuchen die NPDler, Nachwuchs für die Partei schon im Kindesalter zu rekrutieren. Menschen anderer Herkunft oder Meinung sind nicht erwünscht, man will unter sich bleiben. Der eigentlich öffentliche Park ist für dieses Wochenende eine NoGo Area, nicht nur für Ausländer, gewesen. Ein öffentlicher Stadtpark wird von den Nazis für einen Tag besetzt und der Zugang zu diesem Park wird durch sie geregelt. Das kann nicht toleriert werden!

Unter der Fahne der NPD gab es Spiele, kostenlose Verpflegung und Getränke. Das Ziel ist klar: Nachwuchs für die Partei. So sagte einmal ein führendes Mitglied der NPD „das wir mit unserem Weltbild einstehen – für eine kindgerechte Erziehung“. Mit von der Partie, diesmal der „Ring Nationaler Frauen“ kurz RNF, eine Unterorganisation der NPD. Ergänzend zum Rassismus und Antisemitismus der Mutterpartei vertritt der RNF auch ausgesprochen sexistische und antifeministische Positionen. Männer und Frauen können nach Ansicht des RNF von Natur aus nicht die gleichen Aufgaben bewältigen und so haben sie sich den Kampf gegen das „Gender – Mainstreaming“ auf die rot-weiss-schwarzen Fahnen geschrieben. Ein Flugblatt auf der Homepage propagiert: „Gender – Mainstreaming – Ungleiches gleich zu behandeln ist ungerecht.“ So bleibendie Frauen in ihrer Rolle als Mutter und Helferin.

Die Stadt sieht diesem Treiben zu und unternimmt nichts damit diese Veranstaltung nicht mehr stattfinden kann. Die Parteien der bürgerlichen Mitte bekunden scheinbar wenig Interesse dafür, sich offen gegen diese Zustände auszusprechen. Man kann sich tatsächlich fragen, ob man in der Stadtverwaltung vielleicht auf dem rechten Auge blind ist. In Hansestädten wie Greifswald, Lübeck oder Hamburg würden solche Veranstaltungen am Widerstand der demokratischen Parteien scheitern, in Stralsund leider nicht. Selbst in der NPD Hochburg Anklam wurde ein Kinderfest der Neonazis, trotz Drohungen der Nazis, erfolgreich verboten. Die NPD verbreitet auf dieser Veranstaltung ihr völkisch rassistisches Weltbild, durch das letztlich diejenigen ausgegrenzt werden, die nicht „deutschen Blutes“ seien und als „Volksschädlinge“ nicht in das neonazistische Weltbild passen. Neonazikinderfeste gehören in unserer Hanse- und Welterbe – Stadt nicht ignoriert und schon gar nicht toleriert, sie müssen genau wie alle anderen Aktivitäten neonazistischer Organisationen verhindert werden.

Antirassistische Jugendinitiative Stralsund: „Kein weiteres NPD-Fest in der Brunnenaue“

Nachdem schon in den letzten Jahren, teils unter Protest von nichtrechten Bürgern und Bürgerinnen, die NPD einmal jährlich ein Fest in der Brunnenaue veranstaltete, fand am Sonntag, dem 07.09.2014, ein weiteres „Kinderfest“ des Kreisverbandes der NPD in Stralsund statt. Seit 13 Jahren organisieren gewaltbereite Neonazis ein „Kinderfest“ mit Rechtsrock und rassistischer Propaganda in Mitten der Hansestadt, ohne dass die Stadt Stralsund dies unterbindet oder ein Alternativprogramm für Familien zur Verfügung stellt. Neonazis nisten sich in einer CDUdominierten Touristenstadt ein und dürfen sich ein familienfreundliches Image verschaffen, mit Hilfe des Desinteresses der Politik und der Zivilgesellschaft.

Was ist das Problem an diesem Fest und warum sollte es nicht besucht werden? Die nationalistische Partei NPD versucht seit Jahren in Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern ihre menschenfeindliche Ideologie durch solche Veranstaltungen zu verbreiten. Es geht hierbei lediglich um die Verbreitung ihres verschränkten Weltbildes und nicht um die Kinder die dieses Angebot nutzen. Die Kinder werden als Schutzschild missbraucht, um ein Image der Kümmerer zu konstruieren und sich menschenfreundlich zu präsentieren. Am Beispiel von NPD Stadtvertreter und Mitorganisator Dirk Arendt zeigt sich, dass selbst ein schüchtern wirkender Familienvater menschenverachtende Politik mit Gewalt durchsetzen will. Arendt fiel bereits mehrfach durch Drohungen oder Angriffe auf nicht rechte Jugendliche auf. Beispielweise wurden mit seiner Beteiligung 2011 Gäste eines linkes Rockkonzertes von circa 20 Neonazis angegriffen. Ein Auszug aus einem Bericht hierzu:„Nachdem die Späher der Rechten im Bahnhofsgebäude Alarm geschlagen hatten, eilten 15-20 Nazis zum Bahnhof. Dort griffen sie unverzüglich wartende Antifaschisten an. Federführend und als Einziger unvermummt trat dabei das Bürgerschaftsmitglied der NPD Dirk Arendt auf. Nach dem Übergriff zogen sich die Nazis wieder in das Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Raimund Borrmann zurück, dessen Wahlkreismitarbeiter wiederum der langjährige Parteisoldat Arendt ist.“

Nach eigenen Veröffentlichungen bestätigen Arendt und seine Parteileute solche Angriffe und brüsten sich stolz mit Gewalttaten gegen Jugendliche und Andersdenkende. Regelmäßig kommt es zu Übergriffen und Sachbeschädigungen: „Neubrandenburg (ots) – In der Nacht vom 16.07.2014 zum 17.07.2014 haben unbekannte Täter die Fensterscheiben vom Wahlkreisbüro ]Die Linke ] in Stralsund mit Steinen eingeworfen.“ (Quelle: hier)

„Dass dieses „Kinderfest“ Jahr für Jahr in der Brunnenaue stattfindet, ist eine Schmach für eine weltoffene Stadt mit Kulturerbe, wie Stralsund es gerne ist. „Dieses Fest ist kein Ort für Kinder und diese Stadt ist kein Ort für dieses Fest“ sagt Niklas Wiemann von der antirassistischen Initiative. „Bleib nur fraglich wann die etablierten Stadtvertreter die Courage haben, das zu thematisieren und rassistischen Kinderfesten ein Ende zu bereiten.“