M-V für alle

MVGIDA in Stralsund

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die diffuse rassistische PEGIDA-Bewegung es auch zu uns in den Nordosten schafft. Nachdem ihr Ableger in Rostock aufgrund der zu erwartenden Gegenproteste seinen Spaziergang absagte, mobilisierte MVGIDA zum gestrigen Montag nach Schwerin und Stralsund für ihre sogenannten Spaziergänge. Verschiedenste Initiativen, Gewerkschaften und politische Parteien hatten unter dem Motto „M-V für alle“ zu Gegenprotesten aufgerufen und in der gesamten Innenstadt Mahnwachen und ein Demokratiefest organisiert. Die Studierendenschaft der Uni Greifswald entsandte einen eigenen Bus, auch wenn das Rektorat der Uni dies zunächst hatte verhindern wollen.

18:30 war es so weit, die Menge der ca. 200 MVGIDA Anhänger_innen versuchte sich in der Nähe des Bahnhofs in Bewegung zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine mindestens ebenso große Gruppe an Gegendemonstrierenden zusammengekommen, um ihren Unmut über die diskriminierenden Äußerungen kund zu tun.

Lügenpresse, Wir sind das Volk und Israelfahnen

Während die einzige erfolgreiche PEGIDA-Bewegung in Dresden immer wieder ihren vielfältigen und bürgerlichen Charakter betont, ließ sich die MVGIDA-Demo nur anhand einiger PEGIDA-Sprüche von einer üblichen NPD Demonstration unterscheiden. Es gab von Seiten MVGIDAs auch Versuche, sich mit den Gegendemonstrierenden zu unterhalten und darzustellen, dass man nicht rassistisch sei. Diese Personen müssen wohl mit Scheuklappen unterwegs gewesen sein. Deutschland- und Pommernfahnen, bekannte Nazikader, aber eben auch aus Dresden und anderen Städten bekannte PEGIDA Formeln prägten das Bild. „Lügenpresse auf die Fresse“, „Weder rechts noch links“, „Für die Zukunft unserer Kinder“, „Bürger dieser Stadt haben Asylanten satt“ zählten zu den Slogans der Transparente. Was MVGIDA sein möchte, ist unklar, neben Israelfahnen und einem Transparent mit „Weltoffenheit und Toleranz“ liefen Hasstiraden auf den Islam und Flüchtlinge. Mehrfach waren in der Menge Hitlergrüße zu den Gegendemonstrierenden zu sehen, selbstverständlich begleitet von der Parole „Wir sind das Volk“, die in Stralsund gerne auch durch „Deutschland den Deutschen“ ergänzt wurde.

Polizei gänzlich überfordert und unterbesetzt

Gegen derartige Straftaten ging die Polizei zu keinem Zeitpunkt vor. Von Anfang an war deutlich, dass die Polizei gänzlich unvorbereitet erschien. Die Beamt_innen waren zu Beginn der Demo weder in irgendeiner Weise gerüstet, noch schienen sie eine Strategie zum Umgang mit den Demonstrierenden zu haben. Als die Zahl der Protestierenden auf ca. 500 am Bahnhof anstieg und somit MVGIDA problemlos den Weg versperrte, führte die Unterbesetzung der Polizei zu dramatischen Szenen. Die Demonstrationsblöcke trafen ohne jegliche polizeiliche Absicherung aufeinander. Es ist ein Wunder, dass die Lage zumindest am Bahnhof relativ friedlich blieb, bis auf vereinzelte gewalttätige Nazis, die auf Protestierende einschlugen. Der Demonstrationszug musste an dieser Stelle unverzüglich umkehren. Als man bereits dachte, das Spektakel sei an dieser Stelle schon vorbei, stellte sich heraus, dass die Polizei versuchte, den „Spaziergang“ umzuleiten. Ein Katz- und Mausspiel durch Stralsund begann.

Barrikaden und Eskalation

Ziel MVGIDAs war ursprünglich eine Demoroute durch die die Innenstadt, welche ihnen nach der Blockade am Bahnhof durch eine Umleitung über den Frankendamm gewährt werden sollte. Doch auch dort war die Gegenwehr zu groß. Am Netto musste der Zug anhalten, die Polizei verhielt sich weiterhin friedlich, selbst als mithilfe von Mülltonnen und Einkaufswägen Barrikaden errichtet wurden. Nach der erfolgreichen Blockade wurden diese übrigens von den Protestierenden umgehend wieder zu ihrem Urpsrungsort zurückgeführt. Die Nazis in den Reihen von MVGIDA hatten zu diesem Zeitpunkt aber offensichtlich genug. Es kam zu schweren Zusammenstößen, Menschen prügelten mit Fahnenstäben und Fäusten aufeinander ein, ohne dass die Polizei nennenswert eingreifen konnte. Diese beließ es lieber dabei, die Vorgänge ebenso wie die Nazis fein säuberlich zu filmen.

No Pasaran

Unverrichteter Dinge musste MVGIDA schließlich wieder zum Bahnhof zurückkehren, wo die Versammlung schließlich aufgelöst wurde. Während das Gros der Demo daraufhin auseinanderging, versuchten noch einige letzte verbliebene Nazis unter dem nun doch etwas angewachsenen Polizeischutz die Gegendemonstrierenden zu verhöhnen. Dann zogen auch sie ab.

Die Einwohner_innen Stralsunds konnten an diesem Abend beruhigt und zufrieden schlafen gehen, dass sie gemeinsam mit den Greifswalder_innen den rassistischen Mob aufhalten konnten.