Die Zahl der Mauertoten liegt bei einigen Zehntausend. Und jedes Jahr wächst die Zahl der neuen Toten. Die Mauer, das ist das militärisch bewachte Mittelmeer, das sind die abgeriegelten Landwege und Meerengen, und das ist die tödliche Sahara. Was die Mauer umschließt, sind die goldenen Türme Europas. Wen sie draußen halten soll, das sind die Menschen, deren Ausbeutung half, diese Türme zu errichten. Die aus Ländern kommen, die in wirtschaftlicher Abhängigkeit und in Chaos gehalten wurden, oder die in Bürgerkriege gestürzt wurden, damit die goldenen Türme strahlen konnten.

Diese Menschen sollen bitte draußen bleiben. Nicht hierher kommen, wo sie uns mit den Folgen unseres Systems, unserer Politik konfrontieren. Am besten sollen sie einfach alle verschwinden. Aber sie verschwinden nicht alle. Sterben sie in der Wüste, können sie uns egal sein. Ertrinken sie aber im Meer und werden sie bei uns angespült, ist das schlecht fürs Geschäft und das Gewissen – niemand badet gerne da, wo eben eine aufgequollene Leiche angespült wurde. Also werden die Toten eingesammelt und uns möglichst unauffällig aus den Augen geschafft – in Kühlhäusern gestapelt und in Massengräbern verscharrt.

Das Zentrum für politische Schönheit hat diesen Sonntag eine Aktion durchgeführt, die die Toten, die man hier ignorieren will, im Zentrum der Macht Europas unübersehbar präsentiert hat. Den Toten, die sie aus menschenunwürdigen Gräbern retten konnten, haben sie ein ordentliches Begräbnis in Berlin bieten können.

Von AktivistInnen wurde in Greifswald, wie in anderen Städten Deutschlands auch, eine Solidaritätsaktion ausgeführt: In der Innenstadt wurden Grabkreuze aufgestellt, die allen GreifswalderInnen stellvertretend die 30.000 Flüchtlinge, die seit dem Jahr 2000 auf dem Weg ins goldstrahlende Europa umgekommen sind, vor Augen führen sollen.

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