Die Linksjugend [‚SDS] Greifswald solidarisiert sich mit allen homo-, bi- und transsexuellen Menschen in ihrem Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung und ruft zur Teilnahme am Christopher Street Day in Rostock am 18. Juli 2015 auf:

Keine Frage, die heutige Gesellschaft wird zunehmend offener für gleichgeschlechtliche Lebens- und Liebensweisen. Immer mehr Menschen sprechen sich für die Gleichberechtigung von Homo- und Bisexuellen aus, die Iren haben bei einem Referendum ihr „JA“ für die gleichgeschlechtliche Ehe gegeben und auch der oberste US-Amerikanische Gerichtshof hat das landesweite Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließung in der Verfassung in seinem Urteil vom 26.06.2015 bestätigt.

Doch der größere Teil der Gesellschaft sieht diese sexuellen Minderheiten leider nach wie vor als unnormal und anders an. Die Liebe zwischen Mann und Frau und vor allem die heterosexuelle Ehe und Familie werden als ideale Lebensform verkauft – die gleichgeschlechtliche Ehebindung ist in Deutschland bis heute nicht möglich, lediglich eine „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ mit vielen Einschränkungen (Steuer-, Adoptions-, Erbrecht, etc.) gegenüber der traditionellen Ehe.

Transsexuelle werden meist komplett vom öffentlichen Diskurs vernachlässigt, Lesben werden in den Medien marginalisiert, wie die Münchner Kommunikationsforscherin Elke Amberg in einer Studie schreibt: „Die Berichterstattung über Homosexuelle dominieren schwule Männer.“ Lesben dürften nur vorkommen, wenn sie gut aussehen oder Mütter sind –wenn sie also dem traditionellen Bild einer heterosexuellen Frau entsprechen.  

Während es homo- und bisexuellen Menschen in immer mehr Staaten möglich ist, ihre Liebe offen zu leben, kann man in Ländern wie Russland, Brasilien und einigen afrikanischen Ländern ihre zunehmende Verfolgung beobachten. Diskriminierung bis hin zu Hassmorden hat stark zugenommen. Die Betroffenen sind zudem oftmals staatlicher Verfolgung ausgesetzt und erfahren keinen Schutz gegenüber der Gewalt aus der Gesellschaft. Für viele Betroffene ist diese starke Diskriminierung ein Grund für die Flucht in ein anderes Land, in der Hoffnung, dort auf mehr Akzeptanz zu stoßen.

Der Christopher Street Day (CSD) ist ein jährlicher Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern und deren Unterstützern. Es wird für die Rechte dieser Gruppen und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Seinen Ursprung hat der CSD in dem ersten öffentlichkeitsträchtigen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street. Die Demonstranten wehrten sich am 28. Juni 1969 gegen gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit trans- und homosexuellem Klientel und damit verbundene Misshandlungen und Willkür, was in tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei führte. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Committee gegründet. Seitdem finden weltweit jährliche Demonstrationszüge in vielen Städten statt.

Der diesjährige CSD in Rostock findet statt unter dem Motto „Um Gottes willen. Wenn Glaube ein Anker ist, darf Religion keine Fessel sein!“ und spricht die wichtige Frage nach der Vereinbarkeit von Homosexualität und Religion/Glaube an.

Aus der Pressemitteilung des CSD Rostock e.V. zum Motto 2015:

 „Wir sind der Meinung, dass sich Homo-, Bi- und Transsexualität und Glaube nicht ausschließen. Denn gerade in den Religionen geht es um Liebe und Mitgefühl. Leider greifen die Fanatiker einzelne Passagen aus dem Zusammenhang und interpretieren diese dann entsprechend ihrer Homophobie um und karikakieren somit ihren Glauben.

Jeder von uns weiß, dass ein Coming Out ein schwerer Prozess sein kann. Wenn man aber noch gläubig ist und nur mit Hass und Intoleranz konfrontiert wird, sind schwere psychische Krisen fast schon voraussehbar.

Unseres Erachtens sind hier die Theologen und Seelsorger gefordert, entsprechend ihrer Religion zu handeln. Denn für viele ist Glaube ein Anker und da darf die Religion keine Fessel sein.“

 

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