Bilzeitung

Seit Beginn der Bankenkrise (2008), in dessen Folge Griechenland in eine hoffnungslose Abwärtsspirale gerissen wurde, hetzt die Bild-Zeitung unentwegt gegen die „gierigen Pleite-Griechen“. Wir haben uns die Mühe gemacht, einige der hetzerischen Überschriften und diffamierenden Aussagen im Linksjugend[`sds]-Faktencheck auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen:


„Jetzt reicht’s! Griechen sind reicher als wir!“

Unter diese Überschrift einer Februarausgabe versuchte die Bild-Zeitung den deutschen Michel zu überzeugen, warum die „gierigen Griechen“ genug Geld in der Tasche haben und nicht auf Hilfszahlungen der Institutionen angewiesen sind. Der Autor zieht hierfür verschiedene „Tatsachen einer EZB-Studie“ heran. Gemeint ist die jährliche Erhebung der EZB zu den Mitgliedsstaaten der Währungsunion. Dabei weist die EZB selbst ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei nicht um eine Studie handelt und die dargestellten Daten im Einzelnen keine Aussagekraft besitzen. Dennoch gelingt es dem Journalisten der Bild-Zeitung der Erhebung ein erhebliches Hetzpotenzial gegen die griechische Bevölkerung zu entlocken.

Die Griechen kassieren Luxus-Renten!“ – falsch. Zwar zählt die EZB-Erhebung zum Vermögen auch private Renten- oder Pensionsansprüche, was für die Griechen bedeutet, dass sie „äußerst vermögend“ sein müssten, da sie aufgrund der unzureichenden staatlichen Altersvorsorgemöglichkeiten in erheblicher Weise privat für ihre Altersabsicherung sorgen müssen. Allerdings zählt die EZB-Erhebung staatliche Renten- und Pensionsansprüche nicht zum Vermögen. Die Vermögensverhältnisse von Deutschen und Griechen werden dadurch stark verzerrt, da nach dieser Betrachtungsweise jeder Pensionsanspruch eines deutschen Beamten, der sich auf hunderttausende Euros beläuft, gar kein Vermögen darstellt. Tatsächlich zeigen Angaben der OECD ein ganz anderes Bild der Altersabsicherung zwischen Griechenland und Deutschland. Danach beläuft sich eine Durchschnittsrente in Griechenland auf 883,09 Euro monatlich. Demgegenüber liegen die Durchschnittsrenten in Deutschland bei 1034 Euro (Ost) und 1176 Euro (West).

[Die Griechen] zahlen weniger Steuern!“, an dieser Aussage ist zutreffend, dass die steuerliche Belastung in Deutschland tatsächlich größer ist als in Griechenland. Ohne einen Bezug zum Einkommen der Bürger eines Landes, besitzt dieser Umstand jedoch keine Aussagekraft. Denn in Deutschland ist auch das Pro-Kopf-Einkommen weitaus höher als in Griechenland, so dass selbst eine geringere steuerliche Belastung nicht dazu führt, dass den Griechen von ihrem Einkommen ein deutlich höherer Netto-Betrag verbleibt als den Deutschen.

Die Griechen besitzen mehr Immobilien!“, auch diese Aussage ist in ihrer Bezugslosigkeit korrekt. Im Durchschnitt gibt es in Griechenland mehr Immobilieneigentümer als in Deutschland. Dies liegt hauptsächlich daran, dass es in Griechenland eher unüblich ist, zur Miete zu wohnen. Viele Griechinnen und Griechen verschulden sich daher, wenn sie eine eigene Wohnung erstehen. Mehr Immobilien muss also nicht auch mehr Reichtum bedeuten.

„Mit 56 Jahren in Rente! Darum sind die Griechen-Renten unbezahlbar!“

Im Artikel zu dieser Überschrift nennt der Autor ein durchschnittliches Renteneintrittsalter von 56,3 Jahren in Griechenland und bezieht sich dabei fast schon stolz auf eine „offizielle Tabelle der griechischen Regierung“. Dabei verkennt er jedoch vollkommen, dass diese Tabelle einem Reformvorschlag der griechischen Regierung entstammt, die als Maßnahme ein durchschnittliches Renteneintrittsalter im öffentlichen Sektor vorsieht. Damit sollen weitere Kosten für teure Beamte, die früher in den Ruhestand geschickt werden, eingespart werden und zugleich der in Griechenland grassierenden Jugendarbeitslosigkeit von 40% abgeholfen werden, indem junge Menschen zu günstigeren Konditionen eingestellt werden. Auf eine solche Angabe für einen Artikel zurückzugreifen grenzt daher fast schon Debilität. Auch hier helfen die Angaben der OECD zur Klärung der Sachlage (Warum ein Bild-Journalist auf diese Zahlen nie zu sprechen kommt, dürfte mittlerweile jedem klar sein). Danach gehen in Griechenland Frauen durchschnittlich mit 60,3 Jahren und Männer mit 61,9 Jahren in Rente. In Deutschland treten Frauen durchschnittlich mit 61,6 Jahren und Männer mit 62,1 Jahren die Rente an. Das ergibt lediglich einen Unterschied von wenigen Monaten für die Gesamtbevölkerung. Nämlich 61,1 Jahre für das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Griechenland und durchschnittlich 61,85 Jahre in Deutschland.

„Nein! Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“

Wenn man von den wenig liebevollen Kosenamen, die die Bild-Zeitung für Yanis Varoufakis (u.a. Griechen-Teufel mit dem Einzack, Griechen-Raffke, Radikalo-Grieche, lederbejackter Rüpel-Rocker, Posterboy-Finanzminister) gefunden hat, absieht, dann ist dies wohl eine der widerlichsten Überschriften der Bild-Zeitung zum Thema Griechenland. Es wird weiterhin versucht den Eindruck zu erwecken, dass die griechische Bevölkerung in einem Land lebt, in dem Milch und Honig dank unserer deutschen Milliarden fließen. Die Realität ist hingegen äußerst bedrückend. Sämtliche Hilfspakete die bis jetzt von EZB, IWF und der EU für Griechenland geschnürt wurden, haben nie die griechische Bevölkerung erreicht, geschweige denn, die Lebenssituation der griechischen Bevölkerung marginal verbessert. Vielmehr musste für den Erhalt dieser Zahlungen jeder Cent eingestrichen werden, der für ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit eines modernen Staates notwendig ist. Krankenhausversorgungen, Renten und Beamtenlöhne, Arbeitslosenunterstützungen und Bildungsausgaben – alles das musste und muss weggekürzt werden als Gegenleistung für unsere „großzügigen, deutschen Milliarden“. Selbst der den Griechen wenig wohlgesonnene IFO-Chef Hans Werner Sinn gesteht ein, „dass von den öffentlichen Kreditmitteln, die Griechenland während der Krise bekommen hat, ein Drittel der griechischen Leistungsbilanzdefizite, ein Drittel der Tilgung von griechischen Auslandsschulden und ein Drittel der Vermögensanlage von Griechen im Ausland diente“. Von Milliarden für die „gierigen Griechen“ kann also gar keine Rede sein.


Insgesamt lässt die Bild-Zeitung keine Gelegenheit aus, die griechische Bevölkerung oder die griechische Regierung in Verruf zu bringen. Was hierfür nicht ins Bild passt, wird eben solange verzerrt und aus Zusammenhängen gerissen, bis es zur Schlagzeile taugt. Die objektive Wahrheit liegt aber nicht in einem willkürlich zusammengestellten Häuflein vermeintlicher Fakten.

Wir, die Linksjugend[`sds], stellen uns geschlossen gegen die plumpe griechenfeindliche Hetze der Bild-Zeitung und fordern alle Leserinnen und Leser auf, sich mit der griechischen Bevölkerung zu solidarisieren! Nur ein Ende des Spardiktats und der Austeritätspolitik in Verbindung mit einem Schuldenschnitt und einem „Marshall-Plan“ für Griechenland, kann das Elend und Leid der griechischen Bevölkerung beenden und den Weg ebnen für ein vereintes, friedliches und demokratisches Europa.