Stell dir vor, die NPD kündigt einen fulminanten Wahlkampfauftakt an und keiner geht hin. Das mag zwar in anderen Teilen Deutschlands die Regel sein, nicht aber in Mecklenburg-Vorpommern, vor allem nicht in den Greifswalder Stadtteilen Schönwalde I und II. Großspurig kündigten die Neonazis eine Kundgebung vor dem Schönwalde-Center an und rechneten mit 50 Teilnehmer_innen. Es kamen nicht nur 50, sondern 170 Teilnehmer_innen, nur mit dem Unterschied, dass es sich nicht um NPD-Anhänger_innen, sondern Nazigegner_innen handelte.

Die Nazis konnten bei schlechtem Wetter gerade mal 30 Menschen auf die Straße locken. Dem Norddeutschen Rundfunk gegenüber bestand jedoch Stefan Köster, der in der Vergangenheit unter anderem dadurch aufgefallen ist, auf der Straße eine Frau zusammen geschlagen zu haben, darauf, dass 51 Menschen sich in Dietrichshagen versammelt hätten, die sich auf den Weg nach Greifswald machten. Die übrigen 21 Kamerad_innen müssen der NPD auf dem Weg nach Greifswald scheinbar abhanden gekommen sein.

Besonders medienwirksam wurde ein Rednerpult aufgestellt, um zu den Massen nicht vorhandener Parteianhänger_innen und potentieller Wähler_innen zu sprechen. Anstelle nationaler Phrasendrescherei von Andrejewski und Pastörs waren Trompeten, Trillerpfeifen und Sprechchöre zu hören. Tourist_innen hätten wohl eher vermutet, dass sich in der Nähe ein Fußballstadion befindet, als dass die NPD ihren Wahlkampfstand aufgebaut hätte. Von Udo Voigt war derweil noch weniger zu hören, als von Pastörs. Voigt ist gar nicht erst angereist.

Pastörs wird sie einfach nicht los: Die Nazigegner.

„Alerta! Alerta! Antifaschista!“ –  „Haut ab! Haut ab! Haut ab!“ – „Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch!“ – „Nazis raus! Nazis raus!“ – viel mehr war zwischen 15:30 Uhr und 17:30 Uhr nicht zu hören. Dabei hatte sich Pastörs sichtbar Mühe gegeben, eine Rede zu halten, die ohne Geschichtsklitterung und Hetze gegen Ausländer auskommt. Zumindest ausgehend von dem, was gehört werden konnte. Dass Pastörs und den ganzen anderen Pommern-Nazis, einschließlich der angereisten Fragmente der pommerschen Kameradschaftsszene das bunte Treiben auf der Linken Straßenseite sichtbar störte, war ihnen bereits von Weitem anzusehen.

So legten sie nach Andrejewskis Ansprache und dem ersten gescheiterten Start der Rede von Pastörs erst einmal eine lange Pause ein, vermutlich in der Hoffnung, die Nazigegner_innen würden verschwinden. Doch sie blieben. Und so mussten die Kameraden ihre gesamte deutsche Manneskraft (…Menschenkraft ist unpassend, weil keine Frauen unter den Nazianhängern auszumachen  waren) aufbringen und durch die antifaschistischen Spießruten laufen.

Da ist es nur allzu verständlich, dass Pastörs gleich mehrere Passagen seinen Gegner_innen widmete. „…Und viele von ihnen, die auf der linken Seite stehen, werden am 4. September auch heimlich die NPD wählen!“ – schrie die schlechte Adolf Hitler-Karikatur gegen die Antifaschist_innen. Die Wut war der NPD an diesem Tag ein weiteres Mal ins Gesicht geschrieben. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

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Fotos: webMoritz.de (CC-Lizenz)